All you need is less – Weniger ist mehr !

Postwachstumsökonomie
– oder –
die Ă–konomie der GenĂĽgsamkeit

 

Zu diesem Thema lädt der HVD-Bremen zu einer Vortragsveranstaltung mit Prof. Dr. Niko Paech ein.

Montag, 21.10.2019 / 19:00 Uhr
Haus der Wissenschaft
SandstraĂźe 4/5
28195 Bremen

(Prof. Niko Paech lehrt und forscht an der Universität Siegen im Bereich der Pluralen Ökonomik. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der Umweltökonomie, der Ökologischen Ökonomie und der Nachhaltigkeitsforschung.)

Die lang gehegte Hoffnung, dass wirtschaftliches Wachstum durch technischen Fortschritt nachhaltig oder klimafreundlich gestaltet werden kann, bröckelt. Ein auf permanente ökonomische Expansion getrimmtes System scheint zudem kein Garant für Stabilität und soziale Sicherheit zu sein.

Der Klimawandel, das Artensterben, die Verknappung jener Ressourcen, auf deren kostengĂĽnstiger VerfĂĽgbarkeit das industrielle Wohlstandsmodell bislang basierte, sowie Befunde der GlĂĽcksforschung zeigen, dass die Wachstumsparty vorbei ist. Zugleich wird die Digitalisierung der Produktionssysteme (“Industrie 4.0”) mehr Arbeitsplätze kosten, als durch realistische Wachstumsraten ausgeglichen werden könnte.

Durch das offenkundige Scheitern der ökologischen Modernisierung stellt sich die Frage nach ökonomischer Verantwortung völlig neu: Was darf sich ein einzelnes Individuum an materiellen Freiheiten erlauben, ohne über seine ökologischen und damit zugleich sozialen Verhältnisse zu leben? Die Beantwortung dieser Frage verweist darauf, die Bedingungen und Möglichkeiten einer Postwachstumsökonomie auszuloten.

Wirksamer Klimaschutz wirft zwei Fragen auf, nämlich die nach seiner Vereinbarkeit mit wirtschaftlichem Wachstum und die nach einem adäquaten Begriff von globaler Gerechtigkeit. Deren Beantwortung lässt verständlich werden, dass alle bisherigen Klimaschutzanstrengungen auf drei Ebenen gescheitert sind, von denen die wichtigste in einem symbolischen Ablasshandel, insbesondere der systematischen Leugnung individueller Verantwortung besteht. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen: Erstens setzt Klimaschutz reduktiv angepasste Lebensstile voraus. Zweitens ist eine Eindämmung industrialisierter und globalisierter Strukturen unabdingbar.

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Humanistische “Militärseelsorge” – Geht das ĂĽberhaupt ?

Die Bundeswehr bei einem Staatsakt.
Am 29. Juni 2019 hat sich der HVD-Niedersachsen eine Erklärung zur Einführung Humanistischer Beratung und Seelsorge zu eigen gemacht, die auf einer Bildungstagung in Aurich verfasst wurde.
Der HVD-Bremen wird sich im Rahmen seines monatlich stattfindenden Gesprächskreises mit diesem Thema auseinandersetzen. Grundsätzliche Diskussionsgrundlage wird die Frage sein, welche Art von “Seelsorge” oder Lebensberatung / Betreuung Humanisten in der Alltagspraxis leisten können, und ob diese Beratung/Betreuung auf Militär / Feuerwehr / Polizei etc. ausgedehnt werden sollte.

Datum / Uhrzeit:
04.09.2019, 19:30 Uhr

Ort:
Hotel Heldt
FriedhofstraĂźe 41
Bremen

 

Auricher Erklärung

“Wir TeilnehmerInnen des 110. Bildungswochenendes des HVD Regionalverbandes Weser-Ems mit dem Titel ‘Sinnfindung in der Krise: Humanismus, Trost, Bewältigung’ haben uns vom 15. bis 16. Juni in Aurich intensiv mit der Thematik humanistischer Beratung und Seelsorge auseinandergesetzt.
Die Monopolstellung der Religionsgemeinschaften im Tätigkeitsfeld der Seelsorge in Krankenhäusern, der Justiz, bei der Polizei, im Rettungswesen und in der Bundeswehr halten wir für nicht hinnehmbar.
Wir sehen den Humanistischen Verband Deutschlands in der Verantwortung, diese Ungerechtigkeit gegenüber nichtreligiösen und humanistisch eingestellten Menschen zu beseitigen.
Angesichts der jüngsten Entscheidungen der Verteidigungsministerin, mit jüdischen und muslimischen Gemeinschaften Verträge über jeweils eigene SeelsorgerInnen und die Beteiligung am so genannten lebenskundlichen Unterricht abzuschließen, fordern wir den HVD Bundesverband auf, sich jetzt für die Einführung Humanistischer BeraterInnen/SeelsorgerInnen in der Bundeswehr einzusetzen.
Es ist wichtig, diese historische Chance zur Gleichstellung nichtreligiöser Menschen zu nutzen.”

“Humanistische “Militärseelsorge” – Geht das ĂĽberhaupt ?” weiterlesen

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  • Das Denkmal fĂĽr die ermordeten Juden Europas in der Berliner Innenstadt erinnert an die rund sechs Millionen Juden, die unter der Herrschaft Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten ermordet wurden.
    Foto: Francesco Tortoli (CC BY-NC-SA 2.0)Das Denkmal fĂĽr die ermordeten Juden Europas in der Berliner Innenstadt erinnert an die rund sechs Millionen Juden, die unter der Herrschaft Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten ermordet wurden.
»Heute vor 74 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Seit 1996 wird an diesem Tag in Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und auch an diejenigen erinnert, die den Nazis Widerstand leisteten. In der heutigen Zeit, in der es kaum noch Menschen gibt, die damals lebten, erscheint es nötiger denn je, die Erinnerung an die Ungeheuerlichkeit wachzurufen, die zur Zeit des Nationalsozialismus millionenfach durch die deutsche Gesellschaft begangen wurden.

“Jede Debatte ĂĽber Erziehungsideale ist nichtig und gleichgĂĽltig diesem einen gegenĂĽber, daĂź Auschwitz nicht sich wiederhole” – dies schrieb Theodor W. Adorno Mitte der 60er Jahre in seinem Text Erziehung nach Auschwitz. Auch wir Humanist*innen mĂĽssen uns zwingend die Frage stellen, ob unsere Ideale verhindern könnten, dass wir zu Mitläufern in einer entmenschlichenden Gesellschaft werden. Es ist nötiger denn je, Aufmerksamkeit fĂĽr rassistische, rechtsextreme und menschenverachtende Tendenzen zu schaffen, die heute wieder Einzug in unsere Gesellschaft und die Politik halten – und wir mĂĽssen uns aktiv dagegen stellen.

Keinesfalls dĂĽrfen uns freie MeinungsäuĂźerung, berechtigte Kritik an Religionen oder unberechtigte Angst vor Fremden zu Hass oder Mitleidlosigkeit gegenĂĽber Menschengruppen fĂĽhren. Antifaschismus ist keine politische Strömung, sondern essentieller Teil unseres humanistischen Wertesystems. Es kann nicht sein, dass heute allen Ernstes in der deutschen Gesellschaft diskutiert wird, ob die Parole “Nazis raus” gesagt werden dĂĽrfe.

Im Nationalsozialismus wurde die jüdische Bevölkerung entmenschlicht, zum Sündenbock allen Übels gemacht und systematisch vernichtet. Und auch heute gibt es wieder Tendenzen (religiöse) Minderheiten zum Feindbild zu stilisieren. Geschichte wiederholt sich, sagt man. Aber diese Geschichte darf sich niemals wiederholen. Dafür müssen auch wir Humanist*innen einstehen.«

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